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Ticino Inferiore 2016

Tag 4 – 14. Juni 2016

Froh dass unsere Welle noch nicht kollabiert ist haben wir den Tag gemütlich gestartet und haben einer eventlosen Fahrt entgegen gesehen, gemäss Beschreibung kommt kein nennenswertes Hindernis mehr mit Ausnahme einer Brücke bei der man etwas Acht geben muss.

der Wahnsinn der Nacht steht mir noch ins Gesicht geschrieben
der Wahnsinn der Nacht steht mir noch ins Gesicht geschrieben

Leider war das eine ziemliche Untertreibung, wie sich herausstellte war die Schwelle bei der Ponte di Vigevano der kritischste Punkt der Tour bei der wir fast unser Boot verloren hatten. Die Durchfahrt hätte im rechten Bogen möglich sein sollen, also haben wir uns ganz Rechts gehalten. Als wir aber mit einer ziemlichen Geschwindigkeit immer Näher kamen sahen wir, dass dahinter eine nicht zu kleine Walze war.

Mit einer Seilfähre haben wirs ans Ufer geschafft und das Boot dank einem Mini-Kehrwasser hinter einem Baum komplett gegen den Strom drehen können, dann am Brückenpfeiler angelandet. Das alleine war schon abenteuerlich aber eine gute Entscheidung, eine Walze dieser Grösse hatten wir noch nicht befahren.

Nach Besichtigung haben wir beschlossen, das Boot zu treideln, beide auf dem Pfeiler drauf, Dirk ein Seil vorne, ich Hinten. Als wir das Boot über die Schwelle gezogen haben ist genau das passiert, was wir befürchteten: Das Boot ist mit der Spitze in die Walze eingetaucht, diese hat das Boot zurückgedrückt und es ist vollgelaufen. Ich konnte es kaum mehr halten und musste im letzten Moment bevor es mich reingerissen hätte, loslassen.

Hier sieht man die Schwelle sehr gut (Bild nicht von unserer Tour)

Dirk konnte das Boot zum Glück noch halten und es dem Ufer entlang an Land ziehen. Wir waren danach erstmal fertig mit der Welt, geschockt und niedergeschmettert weil wir das erste mal zusehen mussten wie unser Boot volläuft haben wir uns ausgemalt, was alles hätte schiefgehen können und dann aber auch gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war zu treideln statt einfach zu fahren. Das Wasser war nicht sehr tief, wenn uns die Walze gefangen hätte, hätten wir wahrscheinlich hinstehen können.

Für uns stand danach jedenfalls fest, dass wir bei der nächsten Tour einfach anlanden und umtragen, denn bei den anderen Brückenjochs sah es noch schlimmer aus, mit Eisen und Beton im Wasser. Knappe 200m weiter wird dann auch schon die nächste Brücke gebaut, so dass man gespannt sein darf, was da künftig auf uns zukommt.

ein sehr volles Boot
ein sehr volles Boot
Die Schwelle von unten fotografiert
Die Schwelle von unten fotografiert
und weiter Unten bauen sie den nächsten Vergnügungspark für Kanuten
weiter unten wird der nächste Vergnügungspark für Kanuten gebaut

Nach einer guten halben Stunde haben wir das Gepäck wieder ins Boot verladen und haben unsere Reise fortgesetzt. Unsere Packtechnik hat sich im übrigen bewährt, als das Boot voll lief ist das Gepäck oben aufgeschwommen, aber am Boot dran geblieben. So wurde das Boot nicht noch zusätzlich nach unten gedrückt und ausser einer Pet Flasche mühsam abgepumptes Trinkwasser haben wir nichts verloren.

Die Natur war hier immer noch sehr beeindruckend aber nach dem Erlebnis hatten wir irgendwie genug und mit dem Gedanken gespielt, noch paar Kilometer dranzuhängen und bis Pavia durchzupaddeln, was dann Total an die 40Km ergeben hätte. Soweit kam es aber nicht, nach einer Durchfahrt unter einer sehr abenteuerlichen Pontonbrücke haben wir die ersten Blitze gesehen, nach der unspektakulären Autobahnbrücke dahinter fing dann auch der Regen an.

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Durchfahrt ganz rechts problemlos möglich

Also galt es so rasch wie möglich aus dem Wasser zu kommen und einen Rastplatz zu finden auf dem wir nicht so exponiert sind wie auf der Kiesbank der letzten Nacht. Tatsächlich haben wir ein paar 100m weiter eine Bank an einem Waldrand entdeckt und unser Lager nahe am Wald aber ausser Fallweite der Bäume aufgestellt, in der Hoffnung, dass der Blitz dann lieber in einen Baum als in uns einschlägt.

Die Kiesbank bot eine fast schon surreale Landschaft
Die Kiesbank bot eine fast schon surreale Landschaft
Das Camp der letzten Nacht
Das Camp der letzten Nacht

Der Regen hat dann rasch wieder ausgesetzt fürs erste und wir konnten uns daran machen, das letzte Abendessen in freier Wildbahn zuzubereiten. Diesmal stand Pasta Arrabiata auf dem Menu, in das wir das letzte getrocknete Alles reingeworfen haben und Risotto.

Minimalisten Feuer, war nicht einfach hier Holz zu finden an dem nicht ein ganzer Baum dran war
Minimalisten Feuer, war nicht einfach hier Holz zu finden an dem nicht ein ganzer Baum dran war
das letzte Mal Pasta für Wochen...
das letzte Mal Pasta für Wochen…

Nach dem Essen wollte dann Dirk wieder recht zeitig ins Bett, für mich an der letzten Nacht dieses Abenteuers eindeutig zu früh und so habe ich protesiert, doch er liess sich nicht umstimmen. Also habe ich mich auch ins Zelt verzogen und mein Buch vorgenommen.

Keine Minute zu früh wie sich herausstellen sollte, denn ich hatte kaum angefangen zu lesen als schon der Regen los ging, aber diesmal der Richtige. Das hat sich im Zelt angehört als ob jemand Steine drauf wirft und eine halbe Stunde später war dann auch der erste Donner zu hören. Mit dem Wald in der Nähe hat mich das aber irgendwie nicht mehr gestört und nach ein paar Seiten war ich seelenruhig am schlafen.

so schön die Natur hier ist, man erahnt am Himmel schon was auf uns zu kommt
so schön die Natur hier ist, man erahnt am Himmel schon was auf uns zu kommt

2 comments

  1. Hey Anja, vielen Dank, freut mich hat es Dir gefallen 😉

    Todesangst in dem Sinne hatte ich nur beim Gewitter, was ich so exponiert bis dato noch nie erlebt habe und seit da, ein paar Wochen, später leider nochmals in stark gesteigerter Form erleben musste. Mitlerweile bin ich Gewitter Profi 😀

  2. Haha, habe mich köstlich amüsiert beim Lesen. Toll geschrieben. Die existenzielle Todesangst der Städter in der Wildniss kommt echt gut rüber.

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